Motorradfahrer – die grösste Plage in den Schweizer Bergen?

Ist das wirklich so? Auf jeden Fall war Samuel Reber gestern hier im Outdoorblog des Zürcher Tagesanzeigers dieser Meinung. Es ist Sauregurkenzeit und die Stammblogger waren wohl alle im Urlaub. So musste sich der Blattmacher scheinbar selber etwas aus den Fingern saugen. Heraus kam ein polemischer und extrem einseitiger Artikel. Klar es ist ja ein Blog. Da darf man das wenn man mit den Reaktionen leben kann. Die Aufmerksamkeit ist dem Autor natürlich gewiss. Über 500 zustimmende und ablehnende Kommentare wurden von den Lesern bis jetzt verfasst.

„Deplatziert, egoistisch und supergefährlich“ sei Motorradfahren in den Bergen für alle Beteiligten. Und ja natürlich kommt auch das Argument mit dem Umweltschutz wieder. Ich hoffe einfach dass der Autor nie mit dem Flugzeug in die Ferien fliegt und von seinem Wohnort mit dem Velo oder Zug in die Berge gefahren ist. Falls nicht, bitte nicht von Umweltschutz faseln.

Hunderte von Töffs sind am bedauernswerten Herr Reber „vorbeigedonnert“. Das mag schon sein. Vermutlich waren es auch hunderte von Autos. Sowohl Auto- wie auch Motorradfahren ist in der Schweiz bis heute noch völlig legal. Jeder darf dort fahren wo es ihm beliebt, solange er sich an das Strassenverkehrsgesetz hält. Und den Rest regelt die Polizei.

Ganze „Pulks von 10 – 20 Rennmaschinen“ habe er beobachtet, die sich gegenseitig in „höllischem Tempo“ (was immer das aus der Sicht eines Radfahrers bedeuten mag) den Berg hochgejagt hätten. Kann eigentlich gar nicht sein. Denn Rennmaschinen haben keine Strassenzulassung. An Wochenenden ist im übrigen die Polizei auf den Schweizer Pässen sehr präsent. Massive Geschwindigkeitsüberschreitungen werden da relativ schnell geahndet. Und wegen einigen Knallköpfen die es übertreiben, muss man nicht alle Motorradfahrer in einen Topf werfen. Solche minderintelligente Exemplare gibt es auch bei Autofahrern, Velofahrern und Mountainbikern.

Ich erwarte gar kein Verständnis für unser Hobby. Ich muss ja auch nicht verstehen weshalb man mit einem Reisebus oder einem Wohnmobil über die Pässe kriecht und so den ganzen Verkehr aufhält. Aber ich würde mich darüber sicher nie öffentlich beklagen.

Übrigens kenne ich die Berge auch aus der Sicht des Wanderers und Mountainbikers. Und in frühen Jahren sogar aus der Sicht des Rennradfahrers. Vielleicht kann ich das deshalb etwas differenzierter beurteilen und habe halt auch schon mal über den Tellerrand hinausgesehen. Kann ich nur empfehlen.

Ach ist das schön in der Schweiz. Jeder nervt sich über die anderen. Die Rennradfahrer nerven sich über die Motorradfahrer, die Mountainbiker über die Wanderer, die Wanderer über die Mountainbiker und die Autofahrer über die Wohnmobilfahrer. Und natürlich nerven sich viele „Restschweizer“ über die Zürcher. Nur die Gastronomen nehmen alle gerne als zahlende Gäste. Aber ist doch prima wenn wir in der Schweiz keine grösseren Probleme haben.

Der ganze Artikel tönt wie der Frustablass eines lärmgeplagten Stadtzürchers, der enttäuscht ist dass es an den Wochenenden auf vielbefahrenen Passstrassen nicht so ruhig ist wie im hintersten abgeschiedenen Bergtal.

Übrigens: An schönen Winterwochenenden landet 200 m von meiner Wohnung entfernt mehrmals täglich der Rega Helikopter. Meist bringt er vermutlich verunglückte Skifahrer. Das muss ein extrem gefährlicher Sport sein. Sollte man ja eigentlich verbieten. Und überhaupt. Diese Bergbahnen verschandeln die Berge. Die sollte man alle abreissen.

Tipp: Machen Sie es wie ich Herr Reber. Meiden Sie die Alpenpässe an den Wochenenden. Vor allem während der Ferienzeit. Ist extrem entspannend kann ich da nur sagen.

Der Autor ist Informatiker, Mechaniker und Blogger. Er liebt die Berge und ist dort mit dem Motorrad (weder „Rennmaschine“ noch Chopper sondern ein Nakedbike), zu Fuss und mit dem Mountainbike unterwegs.

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Bilder: Töffblog.ch

4 Gedanken zu “Motorradfahrer – die grösste Plage in den Schweizer Bergen?

  1. Guter Beitrag, kann ich in vielen Punkten nur zustimmen.

    Interessant dass ich just gestern nach langem nachdenken einen Blogbeitrag veröffentlicht habe, in dem der Velofaherer sicher froh um die Motorradfahrer war.

  2. Guter Artikel, süffig zu lesen.

    Ob dem Beitrag im Tagi habe ich mich amüsiert. Ich gehe mal davon aus, dass dieser bewusst provokant geschrieben wurde, um etwas Pepp in die Sauregurkenzeit zu bringen und die Diskussion anzukurbeln. Ansonsten liesse mich dieses undifferenzierte Geschreibsel an der journalistischen Sorgfalt des Autors zweifeln. Die Kommentare und Diskussionen waren für mich Unterhaltung pur.

    Jo, ich stehe zu meinem Hobby. Man muss nicht in allen Bereichen seines Lebens vernünftig sein.

  3. Zum Glück gibt es auch sehr viele gute Kommentare auf besagtem Blog. Die verbohrte Meinung von Herrn Reber können anscheinend noch viele andere Leute nicht nachvollziehen. Gut so.

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