Der neue BMW R 1200 Motor mit Luft-/Wasserkühlung im Detail

Der neue luft-/wassergekühlte Boxermotor der BMW R 1200 GS ABS 2013 ist eine völlige Neukonstruktion. Er ist viel kompakter gebaut als alle Vorgänger seit 1994. Die Lichtmaschine ist nicht mehr über dem Kurbelgehäuse montiert, sondern sitzt direkt auf der Kurbelwelle. Die Maximalleistung stieg seit 1994 bei jeder neuen Version des Boxers. Der 1100er Boxer kam noch auf 80 PS Spitzenleistung. Die aktuellste Version mit Luft-/Wasserkühlung liefert nun volle 45 PS mehr.

Kühlung
Beim neuen Kühlsystem handelt es sich nicht um eine normale Wasserkühlung, sondern um ein speziell kompaktes Luft-/Wasserkühlsystem. Eine sogenannte Präzisionskühlung, bei der nur die thermisch am stärksten beanspruchen Bauteile mit einem Glykol-Wasser-Gemisch, statt Luft und Motoröl gekühlt werden. Diese Flüssigkeit kann deutlich mehr  Wärme aufnehmen als Motoröl. Gekühlt werden die Zylinderköpfe und Teilbereiche der Zylinder. So konnten die beiden Kühler klein gehalten werden. Das Kühlungsverhältnis liegt bei 35% Flüssigkeit und 65% Luft (vorher 22% Öl und 78% Luft).  Das neue Kühlsystem ist lediglich 2,7 Kg schwerer.  BMW hat grossen Wert darauf gelegt, dass das typische Boxer Erscheinungsbild erhalten bleibt. Und das ist auch gelungen meiner Meinung nach.

Gemischführung
Neu ist auch die Position der Ein- und Auslasskanäle. Die Zylinder werden vertikal und nicht mehr horizontal vom Gemisch durchströmt. Die Einlasskanäle können so unabhängig von der Nockenwellensteuerung gestaltet werden. Der neue Boxer ist übrigens für 95 Oktan Kraftstoff ausgelegt und nich mehr für 98 Oktan wie der Vorgänger.

Motorsteuerung mit E-Gas (Ride by Wire)
Wie bei vielen neuen Motorrädern üblich ist auch hier ein Ride by Wire System verbaut. Bei BMW heisst das System E-Gas was aber dieselbe Bedeutung hat.  Die beiden  Drosselklappen werden also nicht mehr mit Seilzügen sondern mit einem Elektromotor betätigt. Im E-Gas Griff ist ein Sensor eingebaut der die Stellung an die Motorsteuerung weitergibt, welche dann die Drosselklappenstellung berechnet und verzögerungsfrei elektronisch regelt. Der Drehgriffwinkel konnte von 85 auf 70 Grad reduziert werden. Erst durch die elektronische Steuerung der Drosselklappen war auch der Tempomat möglich der als Sonderausstattung lieferbar ist. Mit der Sonderausstattung „ASC und Fahrmodi“ gibts fünf Fahrmodi. Rain, Road, Dynamic, Enduro und Enduro Pro.

Sekundärantrieb
Beim neuen 1200er Boxer wurde ausserdem der Sekundärantrieb mit Kardan auf die linke Seite verlegt. BMW konnte dafür keine wirklich plausiblen Gründe nennen. Dass man sich am heissen Schalldämpfer beim rangieren das Bein verbrennen könnte, hat man sicher schon länger gemerkt. Vermutlich hat das einen ganz profanen Grund. Teilegleichheit mit den K Modellen und somit Kostenersparnis. Das macht ja auch Sinn.

Getriebe und Kupplung
Erstmals sind Getriebe- und Kupplung bei einem BMW Boxermotor im Motorgehäuse integriert. Da fragt man sich bei all den Vorteilen wieso man das nicht schon längst so gelöst hat?
Neu ist auch keine Trockenkupplung mehr verbaut sondern eine Mehrscheiben-Ölbadkupplung mit acht Reibscheiben. Diese Kupplung ist deutlich kompakter gebaut als die vorher verwendete Einscheiben Trockenkupplung.  Und diese Kupplung ist mit einer Anti-Hopping Funktion ausgerüstet. Damit soll das Stempeln des Hinterrades beim starken Bremsen und gleichzeitigen Herunterschalten verhindert werden. Das Sechsgang-Getriebe wurde für leichte Schaltbarkeit optimiert und die Übersetzungen wurden natürlich neu berechnet.

Bilder: BMW Motorrad

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