Husqvarna NUDA 900 und 900 R jetzt offiziell vorgestellt

Husqvarna hat nun die beiden NUDA 900 Modelle auf Sardinien ganz offiziell der Presse präsentiert. Vieles war ja bereits bekannt. Auch die Optik. Etwas überraschend für mich ist von ABS keine Rede. Ich höre schon die kritischen Stimmen in deutschen Motorradzeitschriften. Wenigstens optional hätte man ja ABS anbieten können. Kommt ja vielleicht noch. Das mutige und sehr eigenständige Design wurde vom Husqvarna eigenen „Centrostile“ Team, das nordwestlich von Mailand angesiedelt ist, entworfen. Es trifft sicher nicht den Massengeschmack und das ist auch gut so.

Die beiden NUDA sind die ersten Motorräder von Husqvarna die in Kooperation mit BMW entstanden sind (Husqvarna gehört seit 2007 zur BMW Gruppe). Deshalb konnte man sich auch im BMW Baukasten bedienen. Allerdings wurden die wichtigsten Komponenten für die NUDA angepasst. Der Gitterrohrrahmen aus Stahl stammt von der F 800 GS, wurde aber für den Einsatz in der NUDA um 50 mm gekürzt und mit einem steiferen 80mm Steuerkopfrohr versehen. Ausserdem wurde der Lenkkopfwinkel zugunsten einer grösseren Agilität bei geringen Geschwindigkeiten etwas reduziert. Felgen und Hinterradschwinge stammen von der F 800 R. Der Motor stammt ebenfalls von der F 800 R aber wurde etwas angepasst. Die Bohrung wurde um 2 mm und der Hub um 5,4 mm vergrössert, so dass der Hubraum von 798 ccm auf 898 ccm erhöht werden konnte. Die Kompression wurde auf 13.0:1 erhöht. Die Hubzapfen der Kurbelwelle sind nun um 315 Grad versetzt. Das ergibt einen deutlich ansprechenderen Motorsound als bei den F 800 Modellen. Auch die Ein- und Auslassventile wurden vergrössert, so dass die Leistung auf 105 PS und das Drehmoment auf 100 Nm gesteigert werden konnte. Das einzigartige Schwenkpleuel für den Massenausgleich wurde der neu gestalteten Kurbelwelle angepasst. Die Trockensumpfschmierung wurde jedoch beibehalten.
Trotz höherer Leistung zeichnet sich die NUDA dank des modernen BMW Motormanagements durch einen sehr niedrigen Kraftstoffverbrauch aus. Mit dem 13 l Tank sollen Reichweiten über 260 km möglich sein. Das würde einem Verbrauch um 5l/100km entsprechen.

Beim Fahrwerk wurde nicht gespart. Die NUDA R ist mit einer voll einstellbaren 48 mm Gabel von Sachs und einem Öhlins Stossdämpfer ausgestattet. Beim Stossdämpfer sind Druckstufe, Zugstufe und Federvorspannung einstellbar. Ausserdem gibt es auch eine Höhenregulierung. Die normale NUDA ist ebenfalls mit einer 48 mm Sachs Gabel ausgerüstet. Allerdings ist nur die Federvorspannung einstellbar. Hinten ist ein volleinstellbares Sachs Federbein eingebaut. Die Sitzhöhe der NUDA beträgt 875 mm und diejenige der NUDA R 890 mm. Der Kraftstofftank ist wie bei den F 800 Modellen unter der Sitzbank eingebaut und trägt so zu einem tiefen Schwerpunkt bei.

Die Bremsanlagen bieten zwar kein ABS, was ich persönlich schade finde, aber sind sonst auf einem sehr hohen Niveau. Die R Version wurde mit Brembo Rennsportbremsen (Monoblock) mit 320 mm Scheiben ausgerüstet. Bei der normalen Version gibts normale 4-Kolben Bremssättel ebenfalls von Brembo. Beide Versionen sind radial verschraubt.

Das Gewicht liegt trocken bei 174 kg (fahrfertig nach einer Messung der Zeitschrift MOTORRAD bei 195 kg) wobei bei der NUDA 900 R viele Carbonteile zum Einsatz kommen. Diese dienen aber sicherlich mehr der optischen Aufwertung.

Husqvarna betont die Allround Fähigkeiten der NUDA und hat deshalb auch entsprechendes Zubehör entwickelt. Es sind Heizgriffe, Satteltaschen, Tankrucksack und Seitenkoffer im Originalzubehörprogramm erhältlich. Es ist also durchaus möglich mit der NUDA auf grosse Tour zu gehen.

Irgendwie passt die NUDA in keine Kategorie. Am ehesten kann man sie als Kreuzung zwischen Supermoto und Naked Bike betrachten. Die direkten Konkurrenten heissen aber vermutlich Aprilia Dorsoduro 750, Ducati Hypermotard 1100 und KTM 990 SM-R. Evtl. noch KTM Duke. Ich freue mich jedenfalls auf die erste Probefahrt!

Nachtrag: ABS soll ab Herbst 2012 verfügbar sein. Die Preise für Deutschland sind nun auch bekannt. Die NUDA 900 kostet 9’990 Euro und die NUDA 900  R ist für 11’590 Euro zu haben.  Auf die Schweizer Preise darf man gespannt sein. Husqvarna sollte sich aber die KTM Preisliste genau ansehen. Dort gibts nämlich eine 990 SM-R mit 11 PS mehr und nur wenig mehr Gewicht für 14’890 Fr. Und dort ist im Gegensatz zur NUDA ein ABS inklusive! Die NUDA 900 R müsste deutlich günstiger sein als die Kati.

Fotos: Husqvarna

 

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