Der Ktipp fordert regelmässige Abgaskontrollen für Motorräder und Roller

In der Konsumentenzeitschrift Ktipp Nr. 16/2011 vom 5. Oktober 2011 ist ein Artikel mit dem Titel „Motorräder sind Dreckschleudern“ erschienen. Wenn man den Artikel liest, merkt man dass der Autor offenbar Mühe hat Motorräder und Roller auseinanderzuhalten. Oder das gar nicht will.

Der Verkauf von Motorrädern boomt, besonders bei den Rollern: 1990 gabs auf den Schweizer Strassen 12’000 davon – heute sind es 270’000. Was viele nicht wissen: Motorräder sind Dreckschleudern. Kurt Egli, Projekt­leiter der Auto-Umwelt­liste beim Verkehrs-Club Schweiz sagt: «Selbst ein moderner Roller ist dreimal dreckiger als ein Auto.»

Ja was denn nun? Motorräder oder Roller? Scheint keine Rolle zu spielen. Es geht einfach darum alle motorisierten Zweiräder in die Pfanne zu hauen.

Dass die kleinen 50ccm (Kubikzentimeter und nicht Kubikmeter wie im Ktipp Artikel…) Roller mit Zweitaktmotoren Dreckschleudern ersten Ranges sind bestreitet niemand und das ist auch nichts Neues. Aber dass hier Abgaskontrollen nützen sollen bezweifle ich doch sehr stark. Da würde höchstens die Verschärfung der Abgasvorschriften nützen, so dass Zweitakter gar nicht mehr zugelassen werden könnten. Im Moment werden diese nämlich auch in der Schweiz noch verkauft und werden die Luft noch Jahre belasten! Bei grösseren Motoren können Zweitaktmotoren schon seit Jahrzehnten nicht mehr typengeprüft werden. Die Yamaha RD 500 mit 500 ccm Zweitaktmotor, die 1984 auf den Markt kam, war schon damals in der Schweiz nicht zulassungsfähig, aufgrund der damals geltenden Abgas- und Lärmvorschriften. Dies zum Leidwesen vieler Racingfans, entsprach doch die Technik in etwa den damaligen 500 ccm GP Rennmaschinen. Moderne Motorräder über 125 ccm mit Viertaktmotor und geregeltem Dreiwegekatalysator, welche die Euro 3 Norm erfüllen, sind zwar immer noch leicht dreckiger als Autos aber hier von Dreckschleudern zu sprechen wäre doch etwas vermessen und auch einfach nur falsch.

Tatsache ist jedoch, dass die Abgasvorschriften auch für grosse Motorräder bis vor wenigen Jahren mehr als lasch waren. Deshalb konnten diese sogar ohne Einspritzanlage und geregeltem Kat problemlos erfüllt werden. In dieser Hinsicht hinkt die Motorradtechnik der Autotechnik um Jahrzehnte hinterher. Weshalb ist das so? Ganz einfach: Der Gesetzgeber hat die Schraube nur bei den Autos angezogen. Motorräder wurden diesbezüglich geschont. Das ist eine Tatsache und stört auch mich. Die Technik wäre schon längstens vorhanden gewesen. Regelmässige Abgaskontrollen nützen aber auch da nur wenig. Der Aufwand steht in keinem Verhältnis zum Nutzen. Ein Motorrad ohne Katalysator und Einspritzanlage wird auch nach einer Abgaskontrolle und allfälligen Korrekturen bei der Gemischeinstellung keine Waldesluft ausstossen.

Eine Studie der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (Empa) aus dem Jahr 2009 zeigt: Motorräder stossen fast doppelt so viel Kohlenmonoxid aus wie ein durchschnittliches Benzinauto. Bei den Kohlenwasserstoffen liegen die Schadstoffmengen sogar 20-mal höher. Das hat zunehmend ­negative Folgen, wie das Bundesamt für Umwelt berechnet hat:

  • Ausstoss von Kohlenwasserstoff: Motorräder sind für 10 Prozent der Kohlenwasserstoffe im Strassenverkehr verantwortlich, obwohl ihr Kilometeranteil am gesamten Strassenverkehr nur 3 Prozent beträgt. Im Jahr 2020 dürfte der Schadstoffanteil gar 40 Prozent betragen.
  • Ausstoss von Feinstaub: Der Feinstaub aus Auspuff und Pneuabrieb von Töffs wird bis zum Jahr 2020 von heute 100 auf 130 Tonnen pro Jahr zunehmen. Feinstaub gilt als Auslöser für Allergien, Asthma und Herzinfarkt.
  • Ausstoss von Kohlendioxid: Der Ausstoss des Treibhausgases CO2 durch Motorräder betrug 1995 rund 165’000 Tonnen. Bis 2020 dürften es 240’000 Tonnen sein.

Die unverbrannten Kohlenwasserstoffe kommen von den kleinen Zweitaktmotoren. Aber hier werden wieder alle motorisierten Zweiräder grundsätzlich als „Motorrad“ in einen Topf geworfen.
Der Ausstoss von CO2 verringert sich nicht durch Abgaskontrollen. Da hilft nur die Verringerung des Kraftstoffverbrauchs. Und da fehlt es leider noch am Willen der Hersteller. Manchen Herstellern ist der Verbrauch schlicht egal weil die Motorräder ja trotzdem gekauft werden. Ein grosses Motorrad wird in aller Regel in der Schweiz als reines Freizeitfahrzeug gekauft. Da sehen viele Käufer über den bei manchen Modellen viel zu hohen Treibstoffverbrauch hinweg. Schade eigentlich. Es geht auch anders wie einige Hersteller ja beweisen.

Nein ich bin weder Mitglied noch Sympathisant der IG-Motorrad welche regelmässigen Abgaskontrollen ja ebenfalls ablehnend gegenübersteht. Aber diesmal bin ich ausnahmsweise mal gleicher Meinung. Wenn auch vielleicht nicht aus denselben Gründen.

Im Falle einer Einführung kann ich persönlich sicher gut leben damit. Ich fahre ein neues Motorrad mit relativ geringem Verbrauch und dieses sollte eine Kontrolle problemlos bestehen. Den einzigen Nutzen solcher Kontrollen sehe ich darin, dass gewisse Kreise dann vielleicht mal Ruhe geben und dass das Motorradgewerbe mit Arbeit eingedeckt wird….

Mein Fazit: Blinder Aktionismus unter einem grünen Deckmäntelchen bringt wenig. Verkaufsverbote für alle motorisierten Zweiräder welche nicht die Euro 3 Abgasnormen erfüllen würde mehr bringen. Dafür fehlen aber leider die gesetzlichen Grundlagen und die Importeure werden nun zuerst ihre Lager leeren.

Das Thema wird alle paar Jahre wieder von jemandem ausgegraben. Es ändert aber nichts an der Tatsache dass ein Alleingang der Schweiz nichts bringt. Einige Links:

Beobachter vom 19. Februar 2009

10.4007 – Motion: Grenzwerte für Lärm- und Abgasemissionen für Motorräder und Kleinmotorräder

08.3668 – Interpellation: Offroader und motorisierte Zweiräder. Emissionsbegrenzungen und Abgaskontrollen

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