Persönlicher und subjektiver Testbericht der Yamaha FZ8

Mitte August habe ich die Gelegenheit genutzt und mir die FZ8 zweieinhalb Stunden ausgeliehen, während mein Schrauber an meiner Kuh den 1000er Service gemacht hat. Die Tour führte von Ebnet über Glaubenberg, Glaubenbielen und Schallenbergpass. Ca. 160 km.

Allgemeines
Inzwischen sehe ich andere Motorräder wohl durch die BMW Brille aber Yamaha ist mir nicht fremd. Immerhin 10 Jahre bin ich Yamaha gefahren. 6 Jahre V-Max und 4 Jahre XJR 1200. Beide zu ihrer Zeit sehr gute Motorräder (ok die V-Max erst nach Investition von einigen Tausend Franken ins Fahrwerk). Damals zu einer Zeit als Yamaha noch viel mehr Motorräder verkauft hatte in der Schweiz und BMW nur ein kleines Licht war im Markt. Und damals als ich über die BMW Fahrer gelacht habe. Und über die hässlichen Motoren sowieso (Boxer und Ziegelstein). Die FZ8 ist direkt vergleichbar mit der BMW F 800 R die ich 23000 km gefahren bin. Deshalb kann ich da aus eigener Erfahrung sprechen.

Optisches und Technik
Viel hat man über die FZ8 gelesen. Zuerst das Häppchenmarketing von Yamaha das die Erwartungen hochzuschraube n versuchte. Schlussendlich wurden diese hohen Erwartungen ja mehr als enttäuscht. Die FZ8 ist ja nichts anderes als eine kleinere Ausgabe der FZ1. Und wenn man nur einen zweiten Blick wagt merkt man, dass die Yamaha Buchhalter bei der FZ8 stark mit dem Rotstift mitgeplant haben. Hauptsache das Resultat ist schön. Der Rest war nicht so wichtig. Dort wo man es nicht sieht wurde gnadenlos gespart. Die Techniker hatten wohl nicht soviel zu sagen. Aber dafür die Designer. Das Resultat ist wirklich hübsch geworden wenn man den Originalschall dämpfer gleich beim Händler ins Alteisen wirft und auch den hässlichen Kennzeichenhal ter grad ändern lässt. Wohlweislich bietet der Schweizer Yamaha Importeur gleich ein Sondermodell mit Zubehör Schalldämpfer (von Leovince?) und Kurzheck an (oder hat das zumindest getan, ich finde das nicht mehr auf der Webseite). Immerhin wurde beim Motor nicht gespart. Der ist sehr gut gelungen . Das Resultat sieht dann so aus:

Yamaha FZ8
Yamaha FZ8

 

Optisch ein Hingucker wie ich finde. Mehrheitsfähig. Polarisiert nicht. Einfach nett anzuschauen. Die Testmaschine war mit Akrapovic Schalldämpfer und Kurzheck ausgerüstet.

Gespart wurde auch beim Lenker. So ein mickriger, billig wirkender 22mm Lenker ist nicht mehr Stand der Technik. Ein konifizierter Lenker mit 28 mm Durchmesser in der Mitte hätte es schon sein dürfen. Auch in der Mittelklasse. Den hat die F 800 R nämlich.

Lenker und  Cockpit der FZ8
Lenker und Cockpit der FZ8

Die Fussrasten sind billig gemacht aus verzinktem Stahlblech:

Fussrasten der FZ8
Fussrasten der FZ8

Da hatte man ja gelesen dass die schnell streifen. Ob das wohl stimmt? Gleich werde ich es wissen.

Fahrbericht
Mein Händler drückt mir den Schlüssel in die Hand und meint er müsse mir ja nichts erklären. Nein muss er nicht. Die Armaturen sind solide Japantechnik wie man sich das gewohnt ist. Also nehme ich mal Platz auf diesem hart aussehenden sportlichen Sitzbrötchen. Mensch bin ich nun so gross (nicht wirklich) oder ist dieses Motorrad so klein? Ich komme mir vor wie wenn ich auf dem Lenker sitzen würde. Die Sitzposition ist aufrecht und absolut nicht sportlich. Der Kniewinkel moderat. Nicht unbequem. Passt mir gut. Das Sitzbrötchen sieht allerdings nicht aus wie wenn es für Tagestouren > 500 km taugen würde.
Also mal Motor starten und dem Sound der schönen Akra Tüte (nicht serienmässig) lauschen. Tönt nicht schlecht. Ein Vierzylinder halt. Ich bin in den letzten zwei Jahren ja Zweizylinder Fan geworden. Also fahre ich mal gemütlich los Richtung Entlebuch. Unspektakuläre Leistungsentfa ltung und sehr gut beherrschbar. Kein Ruckeln. Auch nicht aus tiefen Drehzahlen. So wie man das kennt von den japanischen Vierzylinder. Die Japaner können wirklich sehr gut Motoren bauen. Absolut anfängertauglich waren dann meine Gedanken. Aber halt nicht der Bums von unten wie der gleich grosse F 800 R Motor der aber zwei Zylinder weniger hat. Das ist aber konzeptbedingt .
Also mal abbiegen Richtung Glaubenberg. Na dann mal sehen wie das Gerät so läuft. Also mal aufdrehen nach der 50 aufgehoben Tafel. Schon kommt die erste Rechtskurve. Aber was ist das denn? Ein kratzendes Geräusch an der rechten Fussraste. Gibts denn das? Also so schräg war ich nun wirklich nicht (hatte ich zumindest das Gefühl). Und nun die Linkskurve. Kratz, schleif. Wieder Fussraste am Boden. Bzw. Natürlich nur die Nippel. Das darf doch nicht wahr sein. Ich bin ja schon einige Bikes gefahren. Aber ständig gekratzt hat eigentlich nur die V-Max. Aber die war ja auch eher als Musclebike oder gar Chopper anzuschauen und nicht als sportliches Nakedbike. Da ich keine Lust hatte abzufliegen wurden die nächsten Kurven halt etwas gemächlicher gefahren. Hang off mache ich nicht. Ich hab dann gemerkt dass ich in jeder beliebigen Kurve die Rasten kratzen lassen konnte wenn ich es darauf anlegte. Das gabs bei der F 800 R gar nie. Und mit dieser muss sich die FZ8 unter anderem messen. Das ist einer der direkten Konkurrenten.
Das Getriebe ist relativ hart zu schalten. Keine Ahnung ob das Absicht ist. Mir fiel dann der Spruch der schlechten BMW Getriebe ein. Aber diejenigen die ich kannte sind allesamt leichter zu schalten als dieses Yamaha Getriebe.

Bremsen
Etwas gummiger Druckpunkt aber Yamaha hat natürlich die Stahlflexbrems leitungen gespart (wie andere Japaner auch). Das sieht man auch erst auf den zweiten Blick. Auch das ist bei der F 800 R besser gelöst. Dort sind die nämlich serienmässig. Und die Handkraft ist etwas hoch finde ich wenn man richtig Bremsen will und sich an BMW Bremsen gewöhnt ist. Aber bremst sonst gut.

Der Sound ist nicht schlecht. Tönt irgendwie nach höheren Drehzahlen. Moto GP lässt grüssen.

So nun gehts Richtung Glaubenbüelenpass (auch Glaubenbielen, Glaubenbühlen). Was ist das denn da vorne? Ein schleichender Obwaldner Boxer BMW Fahrer (glaub eine 1100 RT) mit Leuchtgelber Jacke. Und er ist beim gleichen Händler wie ich Kunde (wie viele Obwaldner). Ha! Den schnapp ich mir. Zwei Gänge runterschalten und Gas! Mit Moto GP Sound an diesem lahmen Opi Töff vorbei. He,he das macht Spass…

Nach der Passhöhe ist die Strasse doch relativ übel. Das Fahrwerk der FZ8 ist deutlich überfordert und mir scheint dass der Dämpfer etwas unterdämpft ist. Der wippt deutlich nach. Die Dämpfung ist ja nicht einstellbar am Seriendämpfer meines Wissens nach.

Tja danach führte die Tour noch über den Schallenberg der auch grad am Weg lag. Die FZ8 ist sonst ein wunderbar handliches Bike das spielerisch um die Kurven fährt. Und wegen der Bridgestone BT021 Bereifung konnte ich auch nicht meckern. Der tat was er sollte und hielt immer. Allerdings bei trockener Strassen und moderaten Temperaturen. Etwas anderes konnte ich ja nicht testen. Nach zweieinhalb Stunden und so um 160 km steige ich ab und bin froh dass ich wieder meine Kuh in Empfang nehmen kann.

Fazit
Die FZ8 ist ein sehr schönes Motorrad das vor dem Strassencafé eine sehr gute Figur macht. Sie ist für Anfänger sehr gut geeignet und wird sicher einige Jahre Spass machen. Wer jedoch sportlich fahren will sollte sich etwas anderes kaufen. Oder dann gleich beim Kauf (dieses Jahr wurde offenbar der Preis auf 12990 Fr. gesenkt für das Standardmodell) einen anderen Stossdämpfer, Gabelfedern, Stahlflexbrems leitungen, Heckhöherlegung und/oder einen andere Fussrastenanla ge einplanen. Und natürlich ein anderer Endschalldämpfer und das Kurzheck. Nur wird das bald so teuer dass man für das Geld auch ein anderes Motorrad kaufen könnte. Dann kommt man bereits in Bereiche der Triumph Speed Triple die von Haus aus schon sehr hochwertig ausgestattet ist. Und für etwas weniger Geld (CHF 12750 – CHF 1500.– Swissprämie = CHF11250.–) gibt es eine F 800 R die von Haus aus ein brauchbares Fahrwerk, mit in der Zugstufe und Federvorspannu ng (über Handrad) einstellbarem Stossdämpfer, mitbringt . Und eine hochwertige Fussrastenanla ge aus Aludruckguss die vor allem auch eine fast unbegrenzte Schräglagenfreiheit bietet. BMW spart dafür bei der Ausstattung. Viel ist aufpreispflich tig. Aber das ist dann wenigstens offensichtlich und nicht so versteckt wie bei der FZ8.

Wenn sich jemand ans Bein gepinkelt fühlt…. sorry tut mir leid.. ist nur meine Meinung als alter BMW Grufti. Die BMW Fahrer müssen sich ja ständig ganz anderes anhören.

Optimierungsmöglichkeiten
– Endschalldämpfer, der originale schwarze Topf ist etwas vom hässlichsten was an Motorrädern verbaut wird und macht den Eindruck als habe Yamaha den nur als Platzhalter montiert bis ein Zubehörteil angeschraubt wird. Es gibt diverse Anbieter welche schönere ESD für die FZ8 anbieten.
– kurzer Nummernhalter, das Original ist so ein hässlicher Galgen wie bei vielen neuen Motorrädern. Den bietet der Importeur gleich selber als Originalzubehör an.
– Heckhöherlegung um die Schräglagenfreiheit zu erhöhen (bietet der Importeuer als Originalzubehör an)
– hochwertige Fussrastenanla ge die mehr Schräglagenfreiheit bietet
– Stahlflexbrems leitungen (sollte inzwischen eigentlich selbstverständlich sein)
– Stossdämpfer und Gabelfedern von Öhlins (Wilbers hat offenbar nichts passendes im Angebot)
– Lenkerendenspi egel
– evtl. konifizierter Lenker mit entsprechenden Klemmen (rein optischer Vorteil)

Bilder:

Yamaha FZ8

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Akrapovic Endschalldämpfer
Akrapovic Endschalldämpfer

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Fotos: Töffblog.ch

Schreibe einen Kommentar